Das Medikament zeigt auch sehr gute Wirkung bei der sogenannten „Hyperhidrose“ – der übermäßigen Schweißbildung im Bereich der Achseln, des Kopfes/ Nackens sowie der Hände und Füße.
Schwitzen ist eine normale wichtige Körperfunktion, die den Körper bei hohen Außentemperaturen oder bei körperlicher Aktivität der vor Überhitzung schützen soll. Das Schwitzen wird von einem Kontrollzentrum im Gehirn über das autonome Nervensystem gesteuert.
Als Hyperhidrose wird eine Schweißproduktion definiert, die über das Maß, das zur Regulierung der Körpertemperatur notwendig ist, gesteigert ist.
Von einer solchen vermehrten Schweißneigung sind ca. 2,5% der Bevölkerung betroffen. Davon haben jedoch nur etwa 40% bereits medizinische Hilfe in Anspruch genommen.
Selten kann vermehrtes Schwitzen Zeichen einer anderen Erkrankung sein, z. B. bei Schilddrüsenfunktionsstörungen. In diesen Fällen tritt meist das Schwitzen am ganzen Körper (generalisierte Hyperhidrose) auf.
Am häufigsten tritt das vermehrte Schwitzen jedoch umschrieben auf (fokale Hyperhidrose), betroffen sind vor allem Achseln sowie Hand- und Fußflächen. Ebenfalls häufig und störend kann vermehrtes Schwitzen im Gesicht und Nackenbereich sowie am Haaransatz (kraniofaziale Hyperhidrose) oder Leistenbereich sein.
Die Hyperhidrose stellt nicht nur ein ästhetisches Problem dar, sondern kann massive Beeinträchtigung in der privaten und beruflichen Situation nach sich ziehen.
Botulinumtoxin kann die Aktivität der Schweißdrüsen massiv vermindern, indem die Impulsübertragung vom autonomen Nervensystem blockiert wird. Dieser Effekt ist vorübergehend, die Wirkung hält ca. 6-8 Monate an.
Bei der Behandlung werden in das betroffene Areal mit sehr feinen Nadeln im Abstand von 2 cm kleine Mengen von Botulinumtoxin injiziert. Die Einstiche sind – je nach Region – gering schmerzhaft. Jedenfalls biete ich auch eine lokale Betäubung an. Die Wirkung von Botulinumtoxin tritt nach etwa 3 bis zu 7 Tagen ein.
Die Behandlung ist sicher. Kleine Blutergüsse sind möglich, sonst treten keine wesentlichen Nebenwirkungen auf. Lediglich die Behandlung des Handschwitzens kann vorübergehend zu einer leichten Schwäche der Handmuskeln führen.
Die „Botox“- Kosten für diese Indikation werden aktuell nicht durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Botulinumtoxin (besser bekannt als „Botox“) wird seit mehr als 30 Jahren in der Medizin erfolgreich eingesetzt. Die Liste der Erkrankungen, die mit Botulinumtoxin hocheffektiv behandelt werden können, wird über die Jahre immer länger. Während diese hochspezialisierte Therapie zuerst hauptsächlich bei neurologischen Erkrankungen wie Bewegungstörungen (Dystonie und Spastik) und übermässigem Schwitzen (Hyperhidrose) eingesetzt wurde, erlangte „Botox“ vor allem durch die Anwendung in ästhetischen Indikationen, wie der Glättung von Gesichtsfalten, allgemeine Bekanntheit.
Botulinumtoxinpräparate sind in mehr als 70 Ländern in über 20 unterschiedlichen Krankheitsbildern zugelassen. Durch die jahrzehntelange Erfahrung in den neurologischen Indikationen kann man dieser Therapie eine hohe Wirksamkeit und Sicherheit auch bei wiederholten Anwendungen über viele Jahre bescheinigen. Dies gilt allerdings nur für die Therapie durch erfahrene AnwenderInnen.
Um die Behandlungsqualität und Sicherheit sicherzustellen, gibt es seit dem Jahr 2008 eine zertifizierte Ausbildung in Österreich, welche ich an der Universitätsklinik für Neurologie, Spezialambulanz für Botulinumtoxin-Therapie, absolviert habe. Dieses Zertifikat der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) soll nicht nur höchstmögliche Behandlungsqualität und Sicherheit gewährleisten, sondern ist auch Voraussetzung für eine Kostenerstattung in einigen zugelassenen Indikationen durch die Krankenkassen.
Seit dem Jahr 2007 darf ich nun fortlaufend über reichlich und langjährige Erfahrung in der Behandlung in sämtlichen neurologischen Indikationen berichten. Nach meinem Wechsel vom AKH Wien im Jahr 2021 in die Klinik Floridsdorf wurde dort unter meiner Leitung eine neue „Botox-Ambulanz“ eröffnet und aufgebaut.

